Vergeigt

Am Ende eines Marathons nach dem überqueren der Ziellinie bleibt immer eine nackte Zahl stehen. Bei mir lautete die heute 2:56:36 h.
Natürlich ist die Enttäuschung hinterher groß, wenn man mit solchen Erwartungen wie ich in so ein Rennen gegangen ist. Darüber hilft auch der erreichte 2. Gesamtplatz nicht hinweg.
Was mach ich nur falsch, nach meinen Trainingswerten müsste ich doch eigentlich ganz andere Zeiten laufen können. Oder bin ich einfach kein Ausdauertyp und mir liegt die Marathondistanz nicht.
Schuldzuweisungen, dass ich heute nicht alles gegeben habe, kann ich mir beim besten Willen nicht machen. Ok, über 2 Minuten habe ich verschenkt weil ich einmal in die Büsche musste. Aber die Uhr ist gnadenlos und wartet nicht, die Zeit läuft weiter…

Count Down

Gerade eben nochmal im Count-Down von P.G. gelesen, morgen werde ich es dann erleben…

…in der Nähe des 40 km Punkts kommen die Wellen der Erschöpfung immer häufiger. Über einige 100 m glaubst Du, daß nichts mehr geht, aus, keinen Zentimeter mehr, ich breche zusammen. Du schwörst Dir, daß Du nie wieder mehr Marathon laufen wirst, aus vorbei! Sollen sie doch alle denken, was sie wollen, diese Quälerei machst Du nicht mehr mit. Aber glaube mir, aus diesem Wellental, welches so schwer zu ertragen ist, trägt Dich Deine Psyche wieder nach oben. Du wirst auf dem Kamm getragen. Einige Minuten später läuft es wieder und Dein Optimismus ist wieder da. Ein Umstand, den ich jetzt nach mehr als 60 Marathonläufen immer noch nicht verstehe, aber es klappt wirklich. Du hörst den Lautsprecher der Zieldurchsage, witterst die „Morgenluft“. Jetzt rein in das Stadion, wo ist das Ziel, wieviel Meter noch? Beifall empfängt Dich. Du steigerst Dein Tempo, der Beifall wird stärker, die Schmerzen sind vergessen, vergessen die Entbehrungen. Du denkst nicht mehr an die harten Tempoläufe, nicht mehr an die steifen Muskeln und die Erschöpfung nach den langen Läufen. Du siehst nur die Uhr oberhalb des Einlaufkanals, die Sekunden rinnen, ein Glücksgefühl durchströmt Dich. Was wissen die da draußen schon, was Du jetzt fühlst, ein Gefühl, welches nur wir haben, das den anderen verschlossen bleibt. Ein Gefühl welches niemand auf dieser Welt kaufen kann, mag er auch noch so reich sein. Das ist unsere ureigene Erlebniswelt. Du hast es geschafft! Deine Bestzeit, Dein Ziel ist erreicht, es hat geklappt. Eine Gänsehaut läuft Dir den Rücken runter. Die Arbeit, der Einsatz haben sich gelohnt, Du hast es gepackt, Du schluckst und der Beifall der Massen trägt Dich in das Ziel.

Na ja, ob in Marburg „Massen“ an Zuschauern stehen bezweifele ich ja, aber schaun mer einfach mal.
Meine Ziele sind mit 2:48:48 als Erstziel, 2:49:49 als Zweitziel und mit 2:54:14 als Drittziel klar definiert. Die Wetter-Bedingungen sollen ja laut Vorhersage geradezu ideal werden.
Muskulär fühle ich mich vollkommen locker. Etwas Sorgen bereitet mir lediglich mein Rücken und die linke Achillessehne.

Tempogefühlslauf

Noch einmal hieß es das richtige Tempo für den WK am Samstag zu finden. Mit den 5 x 1000 m mit 1000 m Trabpause war die letzte schnelle Einheit angesagt.
War ich vorgestern nach dem ersten km noch 12 sec zu langsam, so war ich heute nach 500 m über 12 sec zu schnell. Obwohl ich das Tempo sofort herausnahm stoppte ich den ersten noch in 3:55 min ab. Das darf am Samstag nach dem Start nicht passieren.
Die anderen vier waren mit 3:59-3:59-3:58-4:00 sowohl mit, als auch gegen den Wind in Ordnung. Anscheinend hab ich mein Marathon-Renntempo gefunden…

Tapering

Am Donnerstag habe ich aufgrund des Dauerregens einen Ruhetag eingeschoben. Den letzten 35-er vor dem WK, der eigentlich für diesen Tag geplant war, lief ich dann am Freitag. Damit war ich wieder in dem alten Rhythmus, was ich eigentlich vermeiden wollte, da ich vor dem WK gerne ein oder zwei Tage länger regeneriert hätte. Aber was solls…
Am Samstag ging es dann nach langer Zeit mal wieder in den Lauftreff wo wir ganz locker gemütliche 16 km unterwegs waren.
Heute waren dann die 4 x 2000 m mit 1000 m Trabpause im geplanten MRT dran. Nach dem ich den ersten km mit 4:12 min/km doch etwas verbummelt hatte, war ich dann bei km 2 doch noch bei den geplanten 8:00 min. Die nächsten Intervalle lief es dann wie ein Uhrwerk in 7:58-8:01-7:57 min, wobei ich bei den letzten beiden doch ziemlich starken Gegenwind hatte.

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