Bericht vom Bienwald-Marathon 2011

Zuerst noch einmal HERZLICHEN DANK für die vielen Glückwünsche und Anerkennungen auf meiner Facebook-Seite – wo meine Freunde das Rennen inklusive der direkten Vorbereitungen über zwei Tage ja fast live verfolgen konnten -, sowie hier im blog, per Email, per Telefon und durch persönliche Gespräche.
Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut, dass ihr so großen Anteil an meinem Lauf genommen habt 😉

Neben den zahlreichen Glückwünschen erreichte mich allerdings auch eine kritische Email, in der mir vorgeworfen wird 2 – 3 Minuten auf den Straßen von Conil in Andalusien liegen gelassen zu haben. Da ist sicherlich was dran, aber ich bin ja noch jung und verspreche hiermit weiterhin anzuGREIFen.

So, dass musste erst gesagt werden.

Es hat zwar doch etwas länger gedauert, dafür aber auch etwas ausführlicher, hier geht es zum ausführlichen Bericht.
Viel Spaß beim lesen!

BESTZEIT

Bei idealen Bedingungen gelang es mit heute in Kandel meine Marathonbestzeit um knapp zwei Minuten auf nun 2:46:37 h zu verbessern. Anbei die Daten vom Garmin, Bericht folgt dann die nächsten Tage.

Es kann losgehen, let’s go ready to ramble

Bis Mitte der Woche hatte ich durch die Reisestrapazen und Klimaumstellung etwas mit einem leichten Infekt zu kämpfen, aber jetzt ist wieder alles im Lot.
Der Tempogefühls-Lauf am Dienstag lief mit 4:00-3:55-3:52-3:58-3:54/km zufriedenstellend. Ansonsten bin ich diese Woche nur im regenerativen Bereich unterwegs gewesen. Erholung war das oberstes Gebot für den anstehenden Wettkampf.

Die Hausaufgaben sind alle gemacht und so langsam werden auch die Beine nach dem Trainingslager wieder locker. Am Samstagmittag geht es Richtung Kandel, wo ich übernachten werde und am Sonntagmorgen um 10 Uhr ist es dann endlich soweit.

Meine letzten Trainingswerte waren so gut wie nie zuvor und die drei Ziele für die 42,2 km sind klar definiert. Ich werde versuchen möglichst offensiv zu laufen und mir daher keine Grenzen setzen. Die Wettervorhersagen sind optimal und eine schnellere Strecke könnte ich mir nicht wünschen.

Also, drückt mir alle feste die Daumen! Wenn ich meinen Rhythmus finde und in die richtigen Schwingungen komme, kann ich für nichts garantieren…

Das war’s dann…

Irgendwann ist jedes Trainingslager zu Ende und so ging es leider am Sonntagnachmittag via Palma de Mallorca zurück nach Hause. Dabei bekam ich im Flugzeug nach Frankfurt schon einen Vorgeschmack auf die Temperaturen in Deutschland, denn die Klimaanlage lief auf Hochtouren.

Nach einer kurzen Nacht hatte ich am Montagmorgen auf der linken Seite leichte Ohrenschmerzen und im Büro fing dann auch noch die Nase an zu laufen.
Nach Feierabend ging es dann, in der einbrechenden Dämmerung bei frostigen Temperaturen, wieder in voller Winterausrüstung auf die Piste. Der erste Kilometer lief noch relativ locker, aber dann wurden die Beine zunehmend schwerer. So wurde aus der geplanten extensiven eine regenerative Einheit, die ich nach langer Zeit mal wieder im Dunkeln beendete.

Ganz anders als die letzten 14 Tage im Trainingslager im warmen Andalusien. Da hatte ich tolles Wetter und eine harmonische Gruppe mit vielen altbekannten Gesichtern. Gleichzeitig durfte ich aber auch etliche neue, nette Leute kennenlernen, die alle das gleiche Hobby betreiben.

Leider konnte ich aufgrund des kurzfristig anstehenden Marathons in Kandel nicht alle Trainingseinheiten mit absolvieren. Während ich in der ersten Woche nur nach dem anstrengenden langen Lauf am Samstagmorgen pausierte, entfielen für mich – im Hinblick auf den anstehenden Wettkampf und nach Rücksprache mit dem Trainer – in der zweiten Woche die morgendlichen Nüchternläufe. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass dadurch einfach etwas fehlte, wenn ich mich mit meinen Trainingspartnern zum gemeinsamen Frühstück traf.

Trotzdem verging die Zeit wie im Flug und es war von allem etwas geboten. Interessante Informationen und neueste Erkenntnisse, bezüglich des Marathonlaufs in Peters Vortrag mit Video. Euphorie und Glücksgefühle, nach dem langen Lauf mit den hervorragenden 15 km Endbeschleunigung, sowie nach dem schweren 18-er Tempolauf, alleine und gegen den Wind. Schmerzen, während und einige Tage nach einer professionellen Sportmassage.
Beeindruckend Reinhards Vortrag über die „4 Säulen des Gleichgewichts“, wo er unter anderem eindrucksvoll erklärte, dass man gegebene Situationen annehmen müsse um sie überhaupt verarbeiten zu können. Als er sich dann zum Abschluss mit dem gesungenen, spanischen „Vater unser“ von einem plötzlich verstorbenen guten Bekannten verabschiedete, war dies sicherlich einer der Höhepunkte. Da kamen, wie deutlich zu sehen war, nicht nur bei mir die Emotionen hoch. Bedauerlich, dass er bereits vorzeitig am gleichen Nachmittag abreiste um bei der Beerdigung seines Freundes dabei sein zu können.
Aber auch Spaß hatten wir reichlich und es gab trotz enormer körperlicher Anstrengung und Leistung, sehr viel zu lachen und zu schmunzeln.

…wirklich schade, dass es schon vorbei ist, aber das nächste Conil-Trainingslager für 2012 ist bereits so gut wie sicher gebucht.

Letzte lange Runde

Ein perfekter Tag, nicht nur für den deutschen Wintersport – wo die Biathleten gleich zwei Weltmeistertitel holen konnten – sondern auch für die deutsche Langlaufszene.
Peter Seifert hat es geschafft und auf dem Weg zur 50km-DM den Deutschen 50 km Rekord um über eine Minute, auf nun hervorragende 2:52:13 h verbessern können. Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!
Der AK M50 Titel ging übrigens in 3:31:06 h weg. Dies wäre bei meiner aktuellen Form sicherlich machbar gewesen. Aber was soll’s, ich habe meine Prioritäten für dieses Jahr bereits frühzeitig woanders gesetzt.

Unsere Trainingsgruppe war heute in Conil das letzte Mal auf der langen Runde unterwegs. Zusammen mit der zweiten Gruppe starteten wir bei bewölktem Himmel und starkem Wind um 11:45 Uhr am Hotel. Schon nach wenigen hundert Metern teilte sich jedoch die Gruppe, da einige unbedingt ihr eigenes Tempo laufen wollten.
Der Wind kam anfangs seitlich von hinten und schob uns bis zur Autobahnbrücke mehr, als dass er uns behinderte. Aber ab da liefen wir voll gegen ihn an über die andalusischen Hügeln. Erst als wir kurz nach Los Naveros, bei km 20 auf den Schotterweg bogen, hatten wir ihn voll im Rücken. Die Splits wurden wieder deutlich schneller und wir flogen regelrecht über die staubige Piste. Selbst ein paar kleine Regentropfen blies der Wind davon und sogar die Sonne lies sich blicken.

Gemeinsam mit unserer kleinen 4-er Gruppe überholten wir zahlreiche Läufer/innen und wurden kurz vor km 25 letztendlich auch von der Gruppe 1 geschluckt, die 15 min nach uns gestartet war.

Nach einer kurzen Trinkpause ging es weiter Richtung Meer über den letzten Hügel nach Conil, wo uns der Trainer nach 2:47:20 h reiner Laufzeit im Ziel abklatschte.
Ein glatter 4:45-er Schnitt, nicht schlecht für unsere Langlaufnovizin Cordula, die ihren ersten 35-er in dieser Zeit bravorös absolvierte.

Jetzt geht es gleich zum Abendessen und morgen früh drehen wir noch eine kurze Runde vor dem Frühstück. Dann heißt es Koffer packen und es geht wieder Richtung Heimat…

Pages: Prev 1 2 3 Next