Nach-Trainingslager-Depression

Am Mittwoch war es dann leider soweit, das Traingslager war zu Ende und der Tag der Rückreise war gekommen. Die zwei Wochen in Conil sind wie im Flug vergangen. Es war eine schöne Zeit, auch wenn das Wetter diesmal nicht so mitspielte.
Bis auf zwei Trainingseinheiten am Morgen habe ich das komplette Programm mit gemacht und dabei 407 km absolviert. Orthopädisch habe ich alles gut überstanden, auch wenn sich die Achillessehne ab und zu etwas meldete. Ein Großteil dazu beigetragen hat sicherlich auch die professionelle Massage von Sylvia der Deutschen Marathon Meisterin von 2003. Es war schön viele alte Freunde zu treffen und gleichzeitg neue, nette Bekanntschaften zu schließen. Das ist der Vorteil von so einem Trainingsurlaub, hier haben alle überwiegend die gleichen Interessen.

Mittlerweile bin ich jetzt schon wieder zwei Tage zu Hause und habe mich an die Kühlschranktemperaturen gewöhnt. Die Nach-Trainingslager-Depression hat mich inzwischen im Griff, was sicherlich nicht nur an den Temperaturen liegt. Mein Laufprogramm besteht zur Zeit nur aus ruhigen Läufen. Ab Montag gehts dann in die direkte Taperingphase für den anstehenden Marathon in Kandel.

Abschlussrunde

Traditionell ist der zweite lange Lauf über 35 km die letzte offizielle Einheit im Trainingslager. Kaum nachdem ich meinen letzten Artikel publiziert hatte, fing es an in Strömen zu regnen.

Also wurde es doch nichts aus dem gemütlichen Schaulaufen. Pünktlich um 11:45 Uhr startete ich, mit meinen beiden Begleitern Heiko und Stephan. Der Regen war nicht so schlimm, dagegen machte uns der starke Wind, der uns die ersten 9 km seitlich um die Ohren blies mehr zu schaffen. Die erste Verpflegung bei km 5 liesen wir links liegen um nicht auszukühlen.
Nach einem kurzen Boxenstopp im Schutz der Autobahnbrücke, liefen wir voll gegen den Wind. Wir beschlossen im Belgischen Kreisel weiter zu laufen, wobei der Vordere immer im Wind lief. Stephan, aus der Eifel, machte am Berg mächtig Druck. Auch die zweite Verpflegung liesen wir liegen. Kurz vor km 13 kam uns der Trainer – total durchnässt – auf seinem Rad entgegen und rief uns zu am nächsten Auto zu wenden. Hier kann man wieder einmal sehen wie besorgt der, für aussenstehende „harte Hund“ um seine Schützlinge ist. Kurz darauf kamen uns schon die Ersten aus unsere Laufgruppe entgegen.
Am Auto angekommen lief ich mit Stephan noch einige Meter weiter bis mein Garmin 15 km anzeigte. Kaum zu glauben um wieviel leichter uns nun das laufen mit dem Wind fiel. Aus dem strömenden Regen, war mittlerweile ein leichter Landregen geworden, aber trotzdem lief das Wasser in wahren Bächen am Straßenrand.
Bis zur Wende waren wir trotz der schlechten Bedingungen in einem 4:42/km Schnitt unterwegs. Nun wurde es immer schneller. Wir flogen geradezu über die Hügel zurück Richtung Hotel. Zum Teil lief ich schneller als letzte Woche bei den 15 km in der Endbeschleunigung. Als dann auch noch die Gruppe 2 vor uns in Sichtweite kam ging der Schnitt für die nächsten beiden Kilometer unter 4 min. Kurz vor der Brücke, hatten wir sie eingeholt und die letzten 3 Kilometer lies ich es mit Stephan im 4:20-er Schnitt austrudeln.
Nach 2:15:15 h und genau 30 km waren wir total durchnässt wieder zurück im Hotel. Die ganz Harten machten natürlich noch die 35 km auf der Tempolaufrunde voll 😉

Tempodauerlauf

Zum Glück lief ich mich vorher 2 km ein, denn der Trainer hatte den Start des 18 km TDL gerade einmal 500 m vom Hotel entfernt gelegt. Vorher fragte ich ihn nochmal kurz wie ich denn laufen sollte, aber dies hätte ich mir auch ersparen können. Jeder der ihn kennt, kennt auch seine lapidare Antwort: „volle Kanne“.

Wir starteten dann noch bei schönstem Wetter und Sonnenschein. Am Anfang ging ich mit der Spitze mit und der erste km, leicht bergab war dann auch schon imit 3:53 absolviert. Keiner wollte vorne laufen und so übernahm Walter aus der Schweiz die Initiative und ich blieb einfach an ihm dran. Langsam setzten wir uns vom Feld ab und gemeinsam nahmem wir uns gegensetig etwas den Wind. Die neue Strecke war zwar etwas hügelig, aber schön zu laufen.
Nach 6,5 km kamen wir auf die bekannte 15-er Tempostrecke und als wir an deren Ende wendeten hatten wir schon die Hälfte. Ich lag jetzt ein paar Meter vor Walter, aber er blieb hartnäckig an mir dran. Mittlerweile hatte es sich komplett zugezogen und die ersten dicken Regentropfen fielen vom Himmel. Und dann fing es an in Strömen zu regnen. Gleichzeitig zuckten Blitze vom Himmel und es bildeten sich große Pfützen, so dass die Schuhe pitschnass wurden. Jetzt machte ich Druck und setzte mich von Walter ab. An der 15 km Markierung überholte mich P.G. mit dem Rad und rief mir meine Zeit von 57:38 zu. Außerdem teilte er mir noch einen Abstand von 80 m zu Walter und ca. einen halben km zu Heiko mit, dem dritten mit. Aber das war mir egal, ich lief jetzt volle Kanne und es ging fast nur noch bergan. Nach 1:09:05 stoppte ich dann als erster im Ziel. Kurz darauf kam Walter der sich mit seinen 57 Jahren teuer verkauft hatte und die Schweiz gut repräsentierte.
Hätte mir nie vorgestellt, dass ich in einem Greif-TL den langen TDL gewinnen würde und dazu mit über 200 Wkm noch so locker laufen könnte.

Jetzt muss ich mich aber beeilen. Die vierte Gruppe ist gerade zum letzten langen Lauf gestartet. Um 11:45 Uhr ist mein Start. Heute aber nur noch schaulaufen und die schöne Landschaft genießen. Freue mich jetzt schon auf den Marathon in Kandel…

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